Eine Verlängerung der Stadtautobahn A 100 ist verkehrspolitischer Wahnsinn, finanziell verantwortungslos sowie gesundheits- und klimaschädlich. Bündnis 90/Die Grünen sehen in den Ausbauplänen der rot-roten Landesregierung eine Zumutung für viele tausende Menschen. Wir wehren uns gegen einen Abbau von der Lebens- und Stadtqualität für alle Berlinerinnen und Berliner.
Nach sechs Jahren Bauzeit mit Lärm, Stau, S-Bahn-Sperrung und Wohnhäuserabriss wird der sechsspurige A 100-Asphaltstreifen den Treptower Park vom Rest der Stadt abschneiden und die gesamte Gegend dominieren. Das ist in einer Stadt wie Berlin, die durch „Kieze“, strukturiert ist, völlig unangemessen. Erwartet werden 60.000 Autos pro Tag, die von der Autobahn in die angrenzenden Wohngebiete einfahren müssen. Die Folge: Dauerstau – nicht nur in Treptow. Denn alle Stadtstraßen nach und in Friedrichshain-Kreuzberg werden vom Rückstau und vom Schleichverkehr betroffen sein. Autofahrer werden in den Wrangelkiez ebenso wie in den Rudolfkiez ausweichen. Besonders betroffen: die Schlesische Straße.
Deshalb hat der rot-rote Senat auch einen weiteren Bauabschnitt bei der Bundesregierung als Autobahnverlängerung angemeldet. Merke: Autobahn schafft Autobahn. Und das mitten im Herzen der Stadt, durch Friedrichshain und Lichtenberg. Die gesamte Trasse wird bisher sympathische Kieze zerschneiden und ein lebensfeindliches Beton- und Autoareal schaffen.
Umweltbelastung steigt! Gesundheitsbelastung steigt! Unfallrisiko steigt!
Eine schnellere Verbindung in den Friedrichshain erhöht das Verkehrsaufkommen insgesamt. Die Folge an den Zubringerstraßen: mehr Stau und mehr Lärm – ganz zu schweigen von der Trennwirkung, die stark befahrene Straßen für Wohngebiete be-deuten. Das Nachbarschaftsgefühl geht verloren und die zu erwartende Verkehrs-explosion führt zu einer sozialen und wirtschaftlichen Abwertung der Stadtquartiere. Auch werden Kinder auf stark befahrenen Straßen durch Wohngebiete besonders gefährdet, die mit einer für sie unkalkulierbaren Autokolonne konfrontiert und ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Das ist nicht der Weg zu einer lebenswerten, kinderfreundlichen Stadt.
Hat Berlin das Geld?
Der rot-rote Senat verfolgt mit der Autobahnverlängerung A 100 eine veraltete und finanziell nicht zu rechtfertigende Planung aus den 50er Jahren. Für die teuerste Au-tobahn Deutschlands muss auch das Land Berlin hohe Kosten tragen, u.a. für die Planung und den Kauf von Grundstücken auf der Trasse. Auch die vielen Berliner ohne Auto – und das sind rund 50 Prozent – müssen die finanziellen Lasten mittra-gen. Viel Geld, das anderswo fehlen wird.
Leute, wehrt Euch!
Der Senat wird mit seinen Planungen die gewachsene Stadtstruktur im Südosten zerstören. Wir rufen daher alle Berlinerinnen und Berliner auf, sich gegen die Auto-bahnpläne zu engagieren! Machen Sie mit Ihren persönlichen Einwendungen klar, dass Sie den Verkehrskollaps, die Zerstörung Ihres Kiezes und die Gefährdung Ihrer Kinder und Ihrer Gesundheit nicht hinnehmen werden. Sagen Sie dem rot-roten Se-nat deutlich: Der Weiterbau des Stadtringes ist nicht erwünscht!
Stefan Gelbhaar (Landesvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen Berlin)
Antje Kapek (BVV-Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/ Die Grünen Friedrichshain/ Kreuzberg)