Archive for the ‘der wilde osten’ Category

Die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley ist gestorben

Montag, September 13th, 2010

Bärbel Bohley hat in ihrem Leben sehr viel für sich und andere erreicht. Wir trauern. Stefan Gelbhaar, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, erklärt:

“Mit Bärbel Bohley ist eine aufrechte, starke Frau gegangen. Sie war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Friedlichen Revolution in der DDR. Sie gründete mit anderen die Bürgerbewegung “Neues Forum”. Sie war Wegbereiterin des Umbruchs.

Vor und nach 1989 blieb sie stets unbequem. In einem Interview im Mai diesen Jahres erinnerte Bärbel Bohley an die Notwendigkeit, sich einzumischen, auch auf das Risiko hin, dafür nicht gelobt, sondern missverstanden zu werden. Dieses Einmischen sei es, der zum Teilsein in der Gesellschaft führe.

Stets betonte sie den Wert dieses Aufbruchs mit all der gesammelten Kraft der Bürgerinnen und Bürger quer durch die gesamte Gesellschaft der DDR. Vor einem Jahr, zum 20. Geburtstag der Bürgerbewegung des “Neuen Forums”, deutete sie den Verbleib der DDR-Bürgerbewegung in nur einem Satz, eine Bewegung erweise sich als erfolgreich, wenn sie zerfalle. Bärbel Bohley hat in ihrem Leben sehr viel für sich und andere erreicht.

Mit Bärbel Böhley ist nicht nur eine starke Kämpferin für Bürger- und Menschenrechte gegangen, sondern eine Person der Zeitgeschichte – auch wenn sie dies vielleicht bestreiten würde. Ihrer Familie gilt unser Beileid für ihren viel zu frühen Tod.”

Mauerradtour von der Wollank bis zum Potsdamer

Samstag, September 4th, 2010

Es ist schön zu sehen, was aus dem einstmaligen Grenzstreifen geworden ist: Kirschblütenwege, Parks, Denkmäler, Orte der Kunst und des Verweilens. Das konnte man wahrnehmen auf dieser letzten Mauerradtour 2010. Mit überraschender Sonne und knapp über hundert Radfahr-Gewillten ging’s nach urzer Ansprache von Michael Cramer los. Die Tour: Wollankstraße-”Kirschblütenpassage”-Böse-Brücke-Mauerpark-Nordbahnhof-Chausseestraße-Parlament der Bäume-Brandenburger Tor-Potsdamer Platz.

An der Wollank hatten die KV-s Pankow und Reinickendorf ein Luftballonstand aufgebaut. So zog der Troß grün einballoniert los zum Mauerpark, mit dabei Claudia Hämmerling und Andreas Otto, MdA. Im Mauerpark gab’s Schorle und Tee. Zum Schluss kam doch ein kleiner Schauer. Der Landesverband hatte für die letzte Mauerradtour 2010 am “Potsi” einen Bionade-Bio-Apfel-Stand aufgebaut. Ein paar Bilder von der Fahrt anbei.

Die Westmedien und der undankbare Ossi

Mittwoch, März 24th, 2010

ost-West“… Wissenschaftler aus Ost und West haben untersucht, wie sich das Bild Ostdeutschlands und der Ostdeutschen in den überregionalen Medien verändert hat, und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Das deutsch-deutsche-Päckchenmuster – der Westen gibt, der Osten nimmt – setzt sich in Zeitungen und im Fernsehen fort, erklärt der Jenaer Historiker Rainer Gries, der die Studie geleitet hat. …”

Das Interview mit Rainer Gries und der gesamte Artikel findet sich in der Thüringer Zeitung “Freies Wort” – vielen Dank an Reinhard Schult für den Hinweis.

Freies Wort, 23.3.2010: “Die Westmedien und der undankbare Ossi”

Gefeiert – oder gedacht? Gründung der Ost-Grünen

Freitag, November 27th, 2009

BekenntniskircheWar es eine Jubiläumsfeier oder eine Diskussions- und Gedenkveranstaltung? Jedenfalls hatten sich etwas mehr als 80 Leute in der Treptower Bekenntniskirche an der Plesserstraße eingefunden, das 20-jährige Jubiläum der Gründung der Grünen Partei in der DDR zu begehen.  Gesehen wurden etwa (unsortiert,  unvollständig, …):

Carsten Linke. Gründungsmitglied, Carlo Jordan, Gründungsmitglied, Elke Werner und Axel Sauerteig, die beiden Kreisvorsitzenden Trepnick, Vollrad Kuhn, Gründungsmitglied, Andreas Schulze, Gründungsmitglied, Harald Moritz (BISS), Marcus Worm (BVV Trepnick), Peter Groos (Fraktionsvorsitzender BVV trepnick), Dr. Astrid Tag, Editha Kindzorra, Andreas Otto, MdA, Steffi Lemke, Bundesvorstand, Jochen Bona, Gründungsmitglied, Klaus-Dieter Feige, ehem. MdB Grüne, Judith Demba, ehem. Vorstand Grüne Partei, Viktor Liebrenz, ehem. Vorstand Grüne Partei, Friedrich Heilmann, ehem. Vorstand Grüne Partei, Dirk Jordan, Gerhard Bächer, ehem. Pressesprecher Grüne Partei, Rüdiger Rosenthal, damals Presse, Felicitas Kubala, MdA, Christian Boss, damals Presse,  Johan Hamels, Europa-Grüner und damals dabei, Axel Vogel (Fraktionsvorsitzender Grüne Brandenburg), Henrik Fulda (Mecklenburg-Vorpommern) und natürlich viele weitere von damals und heute.

Was passierte an dem Abend? Steffi Lemke kritisierte in ihrem Grußwort hart die durch Bundesregierung und Berliner Senat banalisierten Erinnerungsveranstaltungen zu “20 Jahre Mauerfall”.

In der nachfolgenden Debatte wurden die Wirrungen rund um die Parteigründung thematisiert – und die Rolle von Matthias Platzeck. Für mich neu: Platzeck war einige Zeit Mitglied in der LDPD gewesen, bevor seine “grüne” Karriere begann. Dann kommt der bekannte Teil: Zunächst trat er intensiv gegen die Gründung einer Grünen Partei ein, um dann für diese Minister ohne Geschäftsbereich in der “Regierung Modrow” zu werden. 1995 wurde er dann Mitglied der SPD, usw. Nun ja – spannend. Allerdings auch nur ein kurzer Nebenstrang des Abends.

Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch die erheblichen Anstrengungen des Kreisverbandes Treptow-Köpenick und sowie des Berliner Landesverbandes, finanziell unterstützt vom Buvo. Tage zuvor war eine Resolution mit dem Titel “Mit Mut für Umweltschutz und Bürgerrrecht: 20 Jahre Gründung der Grünen Partei in der DDR” durch die Berliner Bündnisgrünen beschlossen worden. Das Medieninteresse (Fritz Radio, MDR, DPA etc.) mag als weiterer Beleg für die Relevanz des Ereignisses gelten.

Auf der Webseite der Berliner Bündnisgrünen findet man einige Bilder, ebenso auf der Seite von Friedrich Heilmann. Weitere Informationen zum Gründungsort, der Bekenntniskirche, finden sich auf der Webseite der Gemeinde.

Pressemitteilung und -einladung zur Veranstaltung.

Grüne Partei in der DDR – 20jähriges Gründungsjubiläum

Mittwoch, November 25th, 2009

Gruene Partei DDREinladung

Vor genau 20 Jahren wurde die “Grüne Partei in der DDR” in Berlin-Treptow gegründet. Dies Jubiläum wollen wir gemeinsam mit GründerInnen, FreundInnen und WeggefährtInnen am historischen Ort, der Bekenntniskirche in Treptow-Köpenick, begehen.

Nach Grußworten von Bundes- und Landesvorstand findet gegen 19 Uhr eine Podiumsdiskussion statt unter dem Motto “Die Gründung der Grünen Partei in der DDR vor 20 Jahren – Meilen- oder Stolperstein auf dem Weg zur einer starken gesamtdeutschen Grünen Bewegung?”

Das Motto macht klar, dass nicht nur die Konflikte um die Gründung der Grünen Partei vor 20 Jahren diskutiert werden sollen, sondern der Blick auch in die Gegenwart und Zukunft geht. Danach wird es bei einem kleinen Empfang mit “Speis und Trank” sicherlich reichlich Gelegenheit zu guten Gesprächen geben.

Geplanter Ablauf:

18 Uhr Rundgang in der Ausstellung “Wenn ihr schweigt, werden die Steine schreien” – Erinnerung an einen Ort der friedlichen Revolution ’89

sowie

Video von der Gründungsversammlung der Grünen Partei in der DDR

18.30 Uhr Grußworteu.a. von Steffi Lemke (Politische Bundesgeschäftsführerin) für den Bundesvorstand von Bündnis 90/DIE GRÜNEN

19 Uhr Podiumsdiskussion mit dem früheren Vorstandsmitglied der Grünen Carola Stabe, Gründungsmitglied Klaus Schlüter (heute Bundesvorstand Grüne Liga) und Andreas Otto (Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Abgeordnetenhauses); Moderation: Vollrad Kuhn

danach: Empfang bei Speis’ und Trank mit Zeit für Gespräche.

Datum und Uhrzeit: Mittwoch, 25. November 2009

Beginn: 18.30 Uhr Ort Gemeindesaal der Bekenntniskirche, Plesser Straße, Berlin-Treptow

Stadtplan

Pressemitteilung des Landesverbandes von Bündnis 90/ Die Grünen Berlin

20 Jahre Gründung der DDR-Grünen – Anlass, auf politische Wurzeln zu blicken

Montag, November 23rd, 2009

23-11-09: Am 24. November 1989 wurde die „Grüne Partei der DDR“ zu Beginn des 6. Berliner Ökologieseminars in der Bekenntniskirche in Berlin-Treptow gegründet. Die Gründung war die logische Konsequenz einer langjährigen umweltpolitischen Basisbewegung in der DDR und des damaligen Erneuerungsprozesses im Herbst 1989. Deshalb laden wir die Öffentlichkeit ein zur *Jubiläumsfeier: 20 Jahre Gründung der Grünen Partei in der DDR* Mittwoch, 25. November 2009, 18.30 Uhr
Gemeindesaal der Bekenntniskirche.

Als Gäste sind u.a. die politische Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen, Steffi Lemke, der Berliner Landesvorsitzende Stefan Gelbhaar sowie zahlreiche Gründungsmitglieder, Weggefährtinnen und Weggefärten der Grünen Partei anwesend. Stefan Gelbhaar, Landesvorsitzender, erklärt:

“Den Mitbegünderinnen und Mitbegründern der Grünen Partei in der DDR gebührt unsere Achtung. Die Umweltbewegung formulierte politische Kritik – ein mutiger Vorgang in der DDR. Die DDR-Wirtschaftspolitik betrachtete die ökologischen Auswirkungen nicht – mit katastrophalen Folgen für Natur und Umwelt. 1990 wurde auf Druck der Umweltbewegung das erste Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet – im nordöstlichen Greifswald.

Gerade angesichts einer sich deutlich abzeichnenden schwarz-gelben Regierungspolitik wollen wir uns an die damals wie heute gültigen Kernforderungen zu erinnern. Auch heute kann es für die Bekämpfung des Klimawandels nur eine Richtung geben: Nachhaltiges Wirtschaften und konsequent ökologisches Sanieren aller gesellschaftlichen Bereiche.”

Dokumentarfilm zu den Folgen des dt. Bergrechts online

Mittwoch, November 18th, 2009

Nicht unbedingt das Thema von sehr Vielen. Aber den Film wollte ich mir anschauen und habs auch getan, denn: Bergrecht könnte Umweltschutzrecht sein, ist aber derzeit das ganze Gegenteil davon. Mit gravierenden Folgen, etwa im Osten unserer werten Republik. So gehts nicht, und dieser Film belegt das in teilweise sehr einfühlsamer Form, vor allem aber auf den Punkt und genau. Hier die Vorstellung:

“Mensch und Umwelt werden durch das Bundesberggesetz (BBergG) nicht berücksichtigt. Der Film “Wer anderen eine Grube gräbt …” veranschaulicht diese abstrakte, juristische Tatsache mit bewegenden Bildern und O-Tönen betroffener Menschen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands: Im sächsischen Heuersdorf schildert der Ortsvorsteher den vergeblichen Kampf der Bewohner gegen den Braunkohle-Tagebau. In der brandenburgischen Lausitz wehren sich Bürger gegen die Zerstörung ihrer Orte für eine geplante Tagebauerweiterung. Im Erzgebirge berichtet der Sprecher des Netzwerks gegen Gesteinsabbau über Lärm und Sprengungserschütterungen, Staub- und Verkehrsbelastungen. Und im saarländischen Fürstenhausen kämpfen Bürger um ihre finanzielle Existenz, weil ihre Häuser durch den Steinkohle-Bergbau und Bergbeben schwere Schäden erlitten haben.

Aufsehenerregende juristische Auseinandersetzungen um den Erhalt von Dörfern sind mit dem Bundesberggesetz verbunden: Horno, Heuersdorf, Garzweiler und Lacoma stehen für den Widerstand gegen den Abbau von Braunkohle. Neue Auseinandersetzungen stehen bevor. Das Gesetz greift in vielfältige Bereiche ein: bei Bohrvorhaben in Nord- und Ostsee, bei der Lagerung von Atommüll, beim Abbau von Erzen, Granit, Basalt, Lava, Kali und Kies. Und es regelt Schadensfragen wie im Ruhrgebiet oder im saarländischen Steinkohlebergbau lange über die Vorhaben hinaus. Allzu häufig ziehen die Betroffenen den Kürzeren und die Abbau-Unternehmen bekommen Recht. Kritiker gehen soweit zu behaupten: “Bergrecht bricht Grundrecht!” Das darf so nicht bleiben! Unser Film analysiert die Ursachen, zeigt aber auch Wege aus der Rechtlosigkeit heraus.

Die Berliner Filmemacher Holger Lauinger & Daniel Kunle haben auf Initiative des Bundestagsabgeordneten Peter Hettlich im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, den Film: “Wer anderen eine Grube gräbt…” produziert. Nicht nur für Betroffene, sondern auch als Impuls für eine dringend notwendige politische Diskussion. Die Bundestagsfraktion zeigte den Film im Rahmen einer Infotour durch mehrere Bundesländer vor etlichen tausend Zuschauern. Im Juli wurde der Film beim Formula Mundi Film-Festival im Bereich Dokumentarfilm ausgezeichnet.”

“Wer anderen eine Grube gräbt …”, D 2008, Holger Lauinger & Daniel Kunle, HDV, 16:9 pal, Farbe, Stereo, 30 Min.

http://www.gruene-bundestag.de/cms/publikationen/dok/267/267537.dvd_wer_anderen_eine_grube_graebt.html

DDR deutlich aber differenziert darstellen

Dienstag, November 10th, 2009

10-11-09 – Pressemitteilung: Anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls ist erneut eine Debatte zum Umgang mit der DDR-Geschichte entbrannt. Eine Umfrage ergab dabei jüngst, dass nur 51 Prozent der ehemaligen Bürgerinnen und Bürger der DDR das Land als Unrechtsstaat bezeichnen würden. 40 Prozent stimmen dieser These nicht zu. Stefan Gelbhaar, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, erklärt dazu:

“Bei der Auseinandersetzung mit der DDR muss auf mehr Differenzierung geachtet werden. Eine klare, breit getragene Analyse scheitert bislang immer wieder an einem vereinfachenden und verschleiernden Geschichtsbild. “Die Politik” trägt hier eine Mitschuld, weil sie mit dem Emotionsthema deutsch-deutsche Teilung ohne die notwendige Gründlich- und Genauigkeit bearbeitet.

Die häufig anzutreffende Formel der ‘beiden deutschen Diktaturen’ etwa verkürzt die geschichtlichen Sachverhalte erheblich. Der stete Vergleich der DDR mit Nazi-Deutschland wird im Osten nicht selten als ein Gleichsetzen wahrgenommen. Dieses ‘vergleichende Gleichsetzen’ ist nicht nur für viele Menschen in Ostdeutschland eine Geschichtsdarstellung ohne Augenmaß – sie verhindert so eine offene Auseinandersetzung mit dem DDR-Unrecht.

Dabei muss sehr klar herausgestellt werden, dass die heute normalen Bürgerrechte wie Reise- und Meinungsfreiheit erheblich eingeschränkt waren und dass etwa das Recht auf einen fairen Prozess nicht existierte. Somit kann klar nicht von einem Rechtsstaat gesprochen werden.

Vergleiche können den Blick schärfen, schwächen oder verstellen. Die DDR etwa mit dem frühen Preußen zu vergleichen, ist sicherlich auch interessant. Im frühen und natürlich “vordemokratischen” Preußen mangelte es ebenfalls an Reisefreiheit, die Zensur der Presse war üblich. Wissenschaftlich ergiebig sind solcherlei Vergleiche jedoch selten.”