Filmpolitik ist nicht nur Festival

Februar 6th, 2013 at 16:30

Die Berlinale ist und bleibt das Aushängeschild für den Filmstandort Berlin. Berlin profitiert neben den Festival-Highlights, den großen Stars, Premieren und Preisverleihungen von der Verzahnung mit der Filmproduktion und Filmpräsentation an allen Spielorten der Stadt. Damit die Erfolgsgeschichte Berlins als Filmstandort auch in Zukunft weitergeschrieben werden kann, muss sich der Senat medienpolitisch auch um das alltägliche harte Geschäft der Filmproduktion kümmern:

- Berlin muss wieder mehr Ansprechpartner in der Fernsehlandschaft haben, es fehlen die großen Fernsehsender in der Stadt, nachdem der Senat den Sender SAT.1 ziehen ließ. Der RBB alleine kann das aktuell nicht leisten. Wir brauchen diese Senderlandschaft aber für die gesunde Mischung aus Auftragsproduktionen für das Fernsehen und Kino.

- Für die Filmproduzenten muss eine zentrale Anlaufstelle in Berlin geschaffen werden, über die sie Serviceauskünfte erhalten und Genehmigungen und Gebühren abwickeln können. Bislang ist das noch zu aufwändig. Berlin muss im Wettbewerb mit anderen Filmstandorten wie München und Köln gestärkt werden, was u.a eine Erweiterung des Studios Babelsberg um andere Orte in Berlin beinhalten kann.

- Das liebe Geld: 1. Der Senat muss in Sachen „Gap-Finanzierung“ für Filmproduzenten, wie sie seit 2009 verhandelt wird, endlich vorankommen. 2. Die Zusammenarbeit der Länder Berlin und Brandenburg muss in der Filmförderung auf Augenhöhe laufen. Das beinhaltet, dass Brandenburg seinen ursprünglich vereinbarten Anteil an der Finanzierung des Medienboards Berlin Brandenburg wieder leisten muss.

- Filmförderung darf in Berlin nicht nur als Wirtschaftsförderung verstanden werden. Auch Kinder-, Dokumentar- und Experimentalfilme brauchen Unterstützung. Ebenso ist die Barrierefreiheit in starkem Maße auszubauen, dh. die Untertitelung ist beispielsweise als Fördervoraussetzung zu verankern.

- Der prekären Beschäftigungssituation von Schauspielerinnen und Schauspielern muss mit fairen Honoraren begegnet werden. Auch der Anspruch auf Arbeitslosengeld muss neu gestaltet und auf die Situation im Schauspielgewerbe angepasst werden, damit hier Abhilfe geschaffen wird.

- Über die Staatsverträge müssen die rechtlichen Abkommen der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten mit den Filmproduzentinnen und -produzenten kritisch begleitet werden. Dies beinhaltet u.a. die Rechte für neue Vertriebswege und die Verlässlichkeit der Degeto, der gemeinsamen Filmeinkaufsorganisation der ARD.

Damit wird klar: Es reicht nicht aus, nur über Subventionen die Filmhersteller nach Berlin zu locken. Denn dann zieht die Karawane irgendwann weiter – zum nächsten Fördertopf. Vielmehr müssen die Standortbedingungen stimmen. Höchstes Niveau ist hier gefragt, wenn es etwa um die effektive und schnelle Bearbeitung von Drehgenehmigungen geht.

Und zur heutigen fixen Idee aus der Senatskanzlei, die Berlinale möge sich doch auch mehr den Fernsehserien widmen: Ob der Bürgermeister von Los Angeles auf die Idee käme, den Oscar-Veranstalter jetzt Serien vorzuschreiben? Nein! Dann doch lieber den Berliner Emmy erfinden.

(Pressemitteilung)
(Märkische Oderzeitung vom 06.02.2013, Berliner Morgenpost vom 07.02.2013)

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