Ostermärsche auf der Höhe der Zeit?

April 8th, 2010 at 11:11

Ostermarsch 2010 - 1Ostern 2010 – das bedeutete auch wieder Ostermärsche in allen größeren und kleineren deutschen Städten bei über 80 Demonstrationen. Die Ostermarschbewegung mit langer Tradition von einem halben Jahrhundert hat jedoch mit Mobilisierungsproblemem zu kämpfen.

Frieden als Thema

In Berlin demonstrierten zum Beispiel vier- bis sechshundert Menschen, in vielen anderen Städten war die Beteilugng ähnlich. Natürlich ist das Engagement jedes Einzelnen, der gegen Krieg und Tod aufsteht und bei sehr unfreundlichem Wetter demonstrieren geht, zu begrüßen.  Und die Medienresonanz war wiederum mit hunderten Meldungen äußerst bemerkenswert. Jedoch fragt es sich, warum die Beteiligung rückläufig ist.

Ist das Thema Frieden weniger relevant geworden? Diese Annahme ist angesichts der europäischen Einigung und der damit verbundenen umfassenden Befriedung weiter Teile des Kontinents sowie der weggefallenden Bedrohung einer unmittelbaren vollumfänglichen Vernichtung durch einen dritten Weltkrieg nicht einfach von der Hand zu weisen. Jedoch sind Konflikte weltweit zu beobachten – und die Bundeswehr vielerorts mit dabei. Die Bundesrepublik ist einer der TOP-Ausstatter der Armeen weltweit. Uswusf.

Wieder konkret werden!

Besinnung ist gefragt – auf das Wesentliche und auf Konkretes. Denn es gab auch 2010 wieder einen äußerst erfolgreichen Ostermarsch: In der  Kyritz-Ruppiner Heide – mit einem konkreten Ziel: der FREIEN HEIDE und einer zivilen Nutzung des Geländes. Und das nicht erst in 2010, sondern seit über einem Jahrzehnt. Die Forderung an die Bundeswehr, auf ein Bombodrom in Brandenburg zu verzichten, hat über die Jahre hinweg immer wieder Tausende zum Kommen motiviert. Denn auch in der Heide geht es nicht nur um ein Gelände, sondern um Vorrang von ziviler Nutzung, von einer Abkehr des Denkens in “militärischen Notwendigkeiten”, von einem weniger an Militärischem insgesamt. Im Kleinen wird das große Ganze angegangen – mit Teilerfolgen wie dem Verzicht auf das Bombodrom und dem fortgehenden Kampf um eine zivile Nutzung.

Demonstrationen als Ritual bergen die Gefahr des “Auslaufmodells” in sich. Konkrete Ziele und Adressaten sind bei einer umfänglich informierten bzw. sich informieren könnenden Gesellschaft vonnöten. Das Thema bleibt eminent wichtig – es muss trotzdem immer wieder neu angegangen werden.

TAZ, 5.4.2010: “Bombodrom als Touristenmagnet” * epd:  ”Tausende Friedensaktivisten bei Ostermärschen” * Berliner Zeitung, 4.4.2010:  ”Osterwanderung führt auf Bombodrom-Gelände” * Tagesschau, 5.4.2010: “Hunderte fordern Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan” * Ruhr Nachrichten, 5.4.2010:  “Ostermarsch gegen Atomwaffen und Krieg” * Junge Welt, 6.4.2010: “Lobby für den Frieden” * Märkische Allgemeine, 6.4.2010: “Erstmals durfte ein Ostermarsch über Teile der Kyritz-Ruppiner Heide ziehen”

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