DDR deutlich aber differenziert darstellen

November 10th, 2009 at 12:59

10-11-09 – Pressemitteilung: Anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls ist erneut eine Debatte zum Umgang mit der DDR-Geschichte entbrannt. Eine Umfrage ergab dabei jüngst, dass nur 51 Prozent der ehemaligen Bürgerinnen und Bürger der DDR das Land als Unrechtsstaat bezeichnen würden. 40 Prozent stimmen dieser These nicht zu. Stefan Gelbhaar, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, erklärt dazu:

“Bei der Auseinandersetzung mit der DDR muss auf mehr Differenzierung geachtet werden. Eine klare, breit getragene Analyse scheitert bislang immer wieder an einem vereinfachenden und verschleiernden Geschichtsbild. “Die Politik” trägt hier eine Mitschuld, weil sie mit dem Emotionsthema deutsch-deutsche Teilung ohne die notwendige Gründlich- und Genauigkeit bearbeitet.

Die häufig anzutreffende Formel der ‘beiden deutschen Diktaturen’ etwa verkürzt die geschichtlichen Sachverhalte erheblich. Der stete Vergleich der DDR mit Nazi-Deutschland wird im Osten nicht selten als ein Gleichsetzen wahrgenommen. Dieses ‘vergleichende Gleichsetzen’ ist nicht nur für viele Menschen in Ostdeutschland eine Geschichtsdarstellung ohne Augenmaß – sie verhindert so eine offene Auseinandersetzung mit dem DDR-Unrecht.

Dabei muss sehr klar herausgestellt werden, dass die heute normalen Bürgerrechte wie Reise- und Meinungsfreiheit erheblich eingeschränkt waren und dass etwa das Recht auf einen fairen Prozess nicht existierte. Somit kann klar nicht von einem Rechtsstaat gesprochen werden.

Vergleiche können den Blick schärfen, schwächen oder verstellen. Die DDR etwa mit dem frühen Preußen zu vergleichen, ist sicherlich auch interessant. Im frühen und natürlich “vordemokratischen” Preußen mangelte es ebenfalls an Reisefreiheit, die Zensur der Presse war üblich. Wissenschaftlich ergiebig sind solcherlei Vergleiche jedoch selten.”

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