Die Grünen im Ohr, Interview vom 15.8.2009

August 15th, 2009 at 16:19

ND-GWB-StefanBerlins erstes Partei-Radio sendet Botschaften in die Stadtteile / Stefan Gelbhaar ist seit April 2008 Landesvorsitzender der Grünen

ND: Als erste Partei in Berlin haben die Grünen mit »Grüne Welle« ein Internet-Radio ins Leben gerufen. Starten Sie zur Bundestagswahl den Online-Wahlkampf?
Gelbhaar: Das Web-Radio von den Grünen Berlin ist was Neues. Auch im Internet. Allerdings ist es nicht so, dass die Grünen vorher keinen Online-Wahlkampf gemacht hätten. Im Gegenteil. Das Grüne Radio ist sicherlich zeitnah zum Wahlkampf, aber es soll nicht nur dafür bestehen. Es soll vielmehr über den Wahlkampf hinaus eine Plattform bieten für Berlin- und Bezirksthemen und für Leute, die sonst in den großen Medien keinen Platz finden. Was in den Bezirken passiert, was Bürgerinitiativen machen, das alles soll darin vorkommen.

Woher stammt die Idee?
Die Idee entstand bei der Suche nach neuen Formen, neuen Medien. Wir haben nachgedacht, wie kann man das noch besser machen und noch mehr Leute erreichen. Da ist uns der Slogan eingefallen: »Gehörtes bleibt im Ohr.« Das Radio ist ein Medium, mit dem man ziemlich leicht ein Lebensgefühl vermitteln kann, durch Musik, durch Informationen. Und die Informationsvermittlung ist einfach schneller. Es ist zum Beispiel viel leichter, einen Beitrag aus Tempelhof-Schöneberg oder aus Spandau im Radio zu hören, als sich aufwendig alles dazu im Internet zusammen zu suchen.

Über welche Themen informieren Sie die Zuhörer?
In unseren Sendebeiträgen haben wir derzeit sehr häufig die Themen Tempelhof-Schöneberg, Taunus-Grundschule, S-Bahn-Chaos, Haushalt in Pankow oder auch Thälmannpark sowie die Atomkraft – das ist alles sehr bunt.

… aber auch Bioläden, energiesparende Geschirrspüler oder grünes Investment sind in Ihrem Programm vertreten – Themen, die vor allem gutsituierte Erwachsene ansprechen. Wen möchten Sie erreichen?
Erst einmal wollen wir unsere eigenen Mitglieder erreichen, das Umfeld, die Bürgerinitiativen. Für den Anfang ist es ausgelegt auf die Zielgruppe der 30- bis 45-Jährigen. Wir wollen aber jünger werden. Wir haben zum Beispiel den Plan, Bands, die sonst nirgendwo promotet werden, ins Programm zu nehmen. Auch für die über 50-jährigen wollen wir in Zukunft Beiträge senden.

Welche Erwartungen haben Sie an das Radio?
Wir wollen unsere Beweggründe, warum wir so oder so agieren, auf eine leichte Art präsentieren. Wir denken, dass wir dadurch noch mehr Leute erreichen und mit ihnen ins Gespräch kommen können.

Erwarten Sie auch einen besseren Zugang zu neuen Wählerschichten ?
Ob wir gleich ganze Wählerschichten ansprechen, weiß ich nicht. Zumindest den einen oder anderen Wähler können wir vielleicht erreichen.

Würden Sie sagen, dass die Grünen-Wähler Internet-näher sind als die Wähler anderer Parteien?
Das will ich mir nicht anmaßen. Allerdings gibt es wohl Statistiken, die sagen, dass sehr, sehr viele Grünen-Wählerinnen und –Wähler das Internet nutzen.

Wie kommt das Radio denn bei den Zuhörern an?
Wir haben Nachfragen aus dem gesamten Bundesgebiet zum Radio, die das gerne auch auf ihrem i-phone hören wollen oder die diesen oder jenen Vorschlag haben.gruene welle go_100

Aber es gibt noch keine Auswertung, weder wer genau das Radio hört, noch wie viele Menschen das sind. Wir wissen bloß anhand der Rückmeldungen, dass es ankommt.

Also hat sich die Investition gelohnt?
Auf jeden Fall. Es ist einfach ein neues Angebot. Ich denke, das ist der richtige Schritt und ich glaube, dass wir da nicht lange alleine bleiben werden.

Fragen: Anne Britt Arps

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